Trotzphase

Wenn die Trotzphase losgeht, sind Eltern oft ratlos und schockiert. Das Kind wirft auf dem Spielplatz wütend mit Sand um sich, weil es weiter mit der besten Freundin rutschen möchte.

Oder es liegt im Einkaufszentrum brüllend mit hochrotem Kopf auf dem Boden und will das Plüschpferd haben. Nach der Bestellung im Eiscafé bekommt es einen Heulkrampf, weil es doch plötzlich lieber das Schokoladen- statt Vanilleeis haben möchte.

Beim Spaziergang im Wald entdeckt es drei Schnecken, die es in der Brotdose mit nach Hause nehmen will und fängt an lauthals zu schreien. Sie will um jeden Preis mit dem Puppenwagen und der Puppe Lilly zum Arzttermin. Sie klammert sich weinend am Puppenwagen fest und lässt sich nicht mehr bewegen.

Ja, die Trotzphase kann Eltern und ihre Nerven ganz schön auf die Probe stellen.

Trotzphase: Wann fängt sie an und wann hört sie auf?

Die Trotzphase: Wie lange dauert sie? Meistens beginnt sie bereits im Babyalter mit etwa 18 Monaten, erreicht ihren Höhepunkt aber mit zwei bis drei Jahren. Dabei kann sie durchaus anhalten, bis das Kind fünf Jahre alt ist.

Trotzdem verläuft diese Entwicklungsphase bei jedem Kind anders und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die folgenden Zeitangaben sind deshalb nur Durchschnittswerte.

Trotzphase mit zwei Jahren

Mädchen geht Strasse entlangDas Kind begreift sich seit einigen Monaten als einen eigenständigen Menschen. Mit dieser neuen und hochspannenden Erkenntnis möchte es nun Erfahrungen machen und testen, wie weit es gehen kann.

Wenn das Kind nun an seine Grenzen stößt, wird es von einer Lawine an Emotionen der Frustration, Enttäuschung und Wut überrollt. Die Gefühle überwältigen es nun regelrecht und es kommt zu den typischen Trotzanfällen, die für Eltern, ohne das geringste Anzeichen und aus heiterem Himmel zu kommen scheinen.

Diese Wutausbrüche können sehr unterschiedlich ausfallen und letztendlich alles umfassen: Schreien, weinen, brüllen, schlagen, treten, spucken usw. Die Gemeinsamkeit ist, dass das Kind mit voller Inbrunst und meistens auch mit vollem Körpereinsatz dabei ist.

Zusätzlich setzt die motorische und sprachliche Entwicklung ein.

Trotzphase mit drei Jahren

Mit dem Eintritt in die Trotzphase entdeckt und entwickelt das Kind seinen eigenen Willen. Es möchte sich vor allem durchsetzen, was für die explosionsartigen Gefühlausbrüche verantwortlich ist.

Nun mit drei Jahren lernt es immer besser mit seinen Gefühlen umzugehen. Trotzdem kann diese Phase weiterhin sehr anstrengend für Eltern sein.

In dieser Phase sollten Eltern im Hinterkopf behalten, dass jetzt wichtige Grundbausteine gelegt werden. Gerade für das soziale Miteinander wird nun die Basis geschaffen. Es geht um wichtige Kompetenzen, die im weiteren Leben des Kindes eine große Rolle spielen.

Trotzphase mit vier Jahren

Je nach Entwicklung des Kindes sollte mit inzwischen vier Jahren die schlimmste Phase überstanden sein. Jede Mutter, jeder Vater und auch jedes Kind darf stolz sein. Sie haben gemeinsam diese Zeit gemeistert und sind daran gewachsen.

Autonomiephase | Warum das Trotzalter so wichtig ist

Junge schaut neutralWas auf dem ersten Blick so willkürlich zu sein scheint, ist für die Entwicklung des Kindes ungemein wichtig. Jeder Mensch durchläuft diese Entwicklungsphase.

Hier entsteht das Ich-Bewusstsein. Mit dieser neuen Selbstwahrnehmung wird die Welt erkundet. Das erste Mal nicht das Kind wahr, dass es eine von seinen Mitmenschen unabhängige Person ist.

Es testet, wann es seinen Willen durchsetzen kann und wann es nicht funktioniert. Im Grunde werden die geltenden Regeln abgefragt, um eine Orientierungshilfe zu erhalten. Wie kann es sich im sozialen Leben einfügen? Was ist erlaubt und was nicht?

Ein klares „Ja“ oder „Nein“ ist das Ziel. Wenn es diese Antwort nicht erhält, arten die Ausbrüche immer weiter aus. Es braucht jetzt diese Klarheit. Es lernt auch mit seinen Gefühlen umzugehen, wenn die Bedürfnisse nicht sofort befriedigt werden.

6 Tipps für den richtigen Umgang mit Wutausbrüchen

Es ist wichtig das Kind in seinem Autonomiestreben zu unterstützen. Gleichzeitig braucht es das Gefühl, dass die Bezugspersonen für es da sind.

Tipp 1: Was tun bei Trotzanfälle in der Öffentlichkeit?

So ein Trotzanfall mitten im Getümmel vieler Zuschauer ist das Horrorszenario für viele Eltern. Ein Schreckensbeispiel ist die typische Situation an der Kasse. Hinter den Eltern steht eine große Warteschlange, die alles genau beobachten können.

In so einem Fall hilft nur eines: Durchatmen und ruhig bleiben. Auch wenn der Druck groß ist, ist es wichtig bei der Sache zu bleiben. Wenn die Eltern sich entschieden haben die Süßigkeiten nicht zu kaufen, sollten sie nicht aufgrund der vielen Menschen nachgeben.

Das Kind sollte außerdem nicht den Eindruck vermittelt bekommen, dass die Situation gerade peinlich und unangenehm ist. In erster Linie sollte versucht werden raus aus dem Trubel zu kommen. Wenn dies nicht möglich ist, ist Durchhalten die einzige Option.

Tipp 2: Den eigenen Wert nicht von Trotzanfällen abhängig machen

Die Eltern haben nichts falsch gemacht. Jedes Kind geht durch die Trotzphase. Das hat nichts mit schlechter Erziehung zu tun. Es geht auch nicht darum, dass das Kind die Eltern damit ärgern möchte. Deshalb sollte das Verhalten nicht persönlich genommen werden.

Es ist sogar ein Akt des Vertrauens. Kinder sind nur trotzig bei Menschen, bei denen sich zu hundert Prozent wohl fühlen.

Tipp 3: Ruhig bleiben

Während das Kind sich in Rage schreit, sollten Eltern am besten ruhig bleiben. Das ist zwar leichter gesagt als getan, hat aber viele positive Effekte. Zum einen kann es seine Gefühle herauslassen. Es ist wichtig, dass Kinder ihre Emotionen nicht unterdrücken. Unterdrückte Gefühle sind nämlich der Grund für eine Depression.

Zum anderen ist das Kind für den Moment des explosionsartigen Ausbruchs nicht ansprechbar. Die schlimmste Reaktion ist nun selbst laut zu werden und zu schimpfen. Auch ein ruhiges Einreden wird in diesem Augenblick keine Wirkung zeigen.

Tipp 4: Das Kind sehen

Mutter blickt ihrem Kind in die AugenAuch wenn es sich scheinbar um eine Kleinigkeit handelt, die der Auslöser war. Größtenteils werden diese „Kleinigkeiten“ nämlich der Zündstoff sein. Für das Kind bedeutet es gerade die Welt. Deshalb ist Empathie einer der wichtigsten Eigenschaften für gute Eltern.

Das Kind lernt mit den Emotionen umzugehen und kommt das erste Mal mit starken Gefühlen in Kontakt. Gefühle begleiten uns unser ganzes Leben lang und der richtige Umgang mit ihnen kann hier beigebracht werden. Es ist besonders wichtig dem Kind das Gefühl zu geben, dass es ernst genommen wird.

Um zu signalisieren, dass der Wutanfall nicht heruntergespielt wird, könnte die Bezugsperson sagen: „Du scheinst ja wirklich wütend zu sein.“ So fühlt das Kind sich gesehen. Weiter könnte nachgefragt werden: „Warum bist du denn so wütend?“

In vielen Fällen wird es sich wieder etwas beruhigt haben. Das Kind könnte antworten: „Ja! Ich bin wütend, weil du mir nie zuhörst!“ Hier könnte eine große Chance liegen die Beziehung zu stärken. Nun könnte das Elternteil folgendermaßen reagieren: „Was möchtest du mir denn sagen? Jetzt höre ich dir zu.“

Eine weitere Antwort vom Kind auf die Frage, warum es denn so wütend ist könnte lauten: „Ich will es einfach haben!“ Nun könnte die Bezugsperson sagen: „Wenn dir das so wichtig ist, ist mir das auch wichtig.“

Tipp 5: Ausprobieren lassen

Sicherlich macht man sich als Eltern Sorgen, wenn das Kind auf ein Gerüst geklettert ist, von dem es nicht mehr allein wieder herunterkommt und trotzdem jede Hilfe verweigert. Trotzdem sollten sie ihr Kind auch mal Dinge ausprobieren lassen.

Es will zeigen, dass es Aufgaben auch allein bewältigen kann. Auch wenn wir als Eltern diese als zu schwierig einschätzen, sollte das dem Kind nicht gezeigt werden, sondern Vertrauen signalisiert werden. Eine „Du schaffst das“-Mentalität kann sehr stärkend sein.

Wenn man das Gefühl hat, dass das Kind trotz des Ausprobierens die Herausforderung nicht allein bewältigen kann, kann Hilfe angeboten werden. Man könnte beispielsweise sagen: „Wenn du möchtest, kann ich dir helfen und wir schaffen das zusammen.“

Tipp 6: Vorausdenken und vorbeugen

Mutter umarmt ihren SohnWenn Eltern merken, dass ihr Kind bereits überreizt ist, sollte vielleicht nicht noch die große Shoppingtour im Einkaufszentrum als Tageserledigungspunkt hinten drangehängt werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Trotzanfalls.

Wenn das Kind sich gerade spürbar an einem Höhepunkt der Trotzphase befindet, sollte der gemeinsame Einkauf nach Möglichkeit vermieden werden und die typische Situation an der Supermarktkasse nicht provoziert werden. Oder die Einkäufe sollten auf einen für das Kind entspannteren Tag gelegt werden.

Außerdem gibt es noch andere vorbeugende Maßnahmen, die man treffen kann. Um einen „entspannteren“ Tag herbei zu führen, kann darauf geachtet werden, dass das Kind ausgeruht ist und ausreichend Schlaf bekommen hat.

Denn ausgeschlafene Kinder neigen weniger zu Brüllanfällen und Wutausbrüchen.

Trotzphase

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