Sprachentwicklung

Ab wann sprechen Babys erste Worte? Diese Frage stellen sich wohl alle Eltern. Da der Übergang vom Lallen und Brabbeln bis zu den ersten erkennbaren Worten fließend ist, ist der genaue Zeitpunkt schwer vorherzusagen. Jedoch kann man den 10. bis 12. Monat als Richtwert nehmen.

Phasen der Sprachentwicklung

Jedes Kind ist individuell und durchläuft seine Meilensteine der Sprachentwicklung zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Deshalb sind alle Zeitangaben nur Durchschnittswerte.

Neben dem Sprecherwerb muss das Baby viele große Herausforderungen meistern, wie z.B. das Laufen lernen. Fortschritte passieren meistens in Schüben.

Wann lernen Babys sprechen?

Bereits im Mutterleib ab dem siebten Monat ungefähr ist der Gehörsinn des Babys vollständig ausgebildet. Es filtert nun schon die Sprachlaute aus der vielfältigen Geräuschkulisse heraus. Nach der Geburt erkennt das Neugeborene bereits die Stimme der Eltern.

Die Sprachentwicklung passiert beiläufig und ganz von allein. Nach vier bis fünf Lebensjahren ist sie in der Regel abgeschlossen. Innerhalb dieser Zeit geht es sehr schnell.

Aus der gehörten Sprache und den täglichen Erfahrungen des Beobachtens lernt das Kind vor allem durch Nachahmung. Die Regeln über den Gebrauch der Sprache sowie den Satzbau erschließt es sich nach und nach von selbst.

Kinder verstehen schneller und mehr, als sie selbst zum Ausdruck bringen können.

Babys erste Worte

Ein Baby auf dem Arm seiner MutterEin besonderer Moment für die Eltern: Die ersten Worte! Die Lallphase beginnt ab dem fünften bis sechsten Monat. Da kommen die ersten typischen „bababa“ und „lalala“-Laute. Jedoch dauert es noch eine kleine Weile bis das erste bewusste Wort gesprochen wird.

Nach zehn bis zwölf Monaten mit der Einwortphase ist es schließlich soweit. „Mama“, „Papa“, „Wauwau“ sind beliebte erste Wörter. Statistisch gesehen fangen Mädchen früher an. Aber auch wenn das erste Wort einige Monate später fällt, ist das kein Grund zur Sorge.

Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo.

Sprachentwicklung Babys | Phasen bis zum 12. Lebensmonat

Die nachfolgenden Zeitangaben dienen lediglich als Richtwerte. Sie können sich von Fall zu Fall unterscheiden.

1. Monat: Nach der Geburt nimmt das Neugeborene vor allem über Schreien Kontakt auf. Damit bekommt es bereits ein erstes Gefühl für den Einsatz der Stimmbänder. Im Verlauf der ersten vier Wochen können Bedürfnisse, wie Hunger oder Schmerz immer besser voneinander unterschieden werden.

Erste Lallphase

2. bis 5. Monat: Jetzt beginnt die erste Lallphase. Vor allem fängt das Baby an zu gurren, brummen und quietschen. Es reagiert auf Geräusche in seinem Umfeld. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist ein erstes bewusstes Lächeln.

Zweite Lallphase

6. bis 10. Monat: Jetzt kann es laut werden. In dieser zweiten Lallphase werden das erste Mal Silben aneinandergereiht. Da kann schon das erste „Mamama“ herausrutschen.

Das Baby lauscht der Umgebung aufmerksam und ahmt Geräusche und Mitmenschen nach. Es kann Mund- und Lippenbewegungen immer besser kontrollieren.

Lallmonologe und erste Wörter

10. bis 12. Monat: Nach den ersten „dadada“ und „jajaja“-Lauten kommt das erste richtige Wort. Über die positive Rückspiegelung der Eltern merkt das Baby, dass dieses Wort eine Bedeutung hat.

Sprachentwicklung bei Kindern | 2. bis 6. Lebensjahr

Frau schaut in die Augen ihres BabysWährend die Kommunikation im ersten Jahr eher nonverbal verlaufen ist, verläuft die Sprachentwicklung nun sehr rasant.

Einwortphase

12. bis 18. Monat: Der Wortschatz umfasst nun zwei bis zehn Wörter und erhöht sich innerhalb dieser sechs Monate auf fünfzig Wörter. Eine Beispielsituation: Das Kind sitzt auf dem Boden und sagt zur Mutter: „Hasua“. Gemeint sind Hausschuhe. Die Mutter fragt: „Willst du deine Hausschuhe haben?“ Das Kind: „Ja“.

Zweiwortphase

19. bis 24. Monat: Hier kommt langsam der Übergang zur Stufe der Zwei- oder Mehrwortsätze. „Mama spielen“ oder „Mama Jacke“ sind Beispiele. Nachdem das Kind nun ungefähr die ersten fünfzig Wörter erlernt hat, erhöht sich der Wortschatz schnell auf circa 200 Wörter. Hier beginnt auch das erste Fragealter. Vor allem durch die Satzmelodie erfragt das Kind Namen und Begriffe.

Mehrwortsätze und Satzbildung

Zwei bis zweieinhalb Jahre: Das Sprachverständnis ist inzwischen gut entwickelt. Die Aussprache wird immer deutlicher. Es reiht mehrere Wörter aneinander, ohne jedoch die Regeln des Satzbaus anzuwenden. Ein Beispiel: „Mama, Ball spielen.“

Zweieinhalb bis drei Jahre: Langsam werden die ersten kompletten und grammatikalisch richtigen Sätze gebildet. Trotzdem sind einige Satzbaufehler noch völlig normal. Außerdem kommt das Kind ins zweite Fragealter. Beispiele sind: „Wo ist Papa?“ oder „Was ist das?“

Festigung des Lautsystems

Drei bis vier Jahre: Der Satzbau wird immer komplexer. Innerhalb des weiterhin andauernden zweiten Fragealters stellt das Kind viele „Warum-Fragen“. Es hat eine Vorstellung von Zeit gewonnen und möchte diese in die Grammatik einbauen. Vor allem ist das eine Festigungsphase. Es passieren noch Fehler, die es aber im weiteren Verlauf von selbst korrigiert.

Vollständige Sprachentwicklung

Vier bis sechs Jahre: Der Wortschatz entwickelt sich stetig weiter und liegt am Ende bei ungefähr 5.000 Wörtern. Das Sprachverständnis reicht sogar bis 23.000 Wörter.

Das Kind spricht mit circa 6 Jahren fließend und fehlerfrei. Es kennt alle Zeitformen, kann verschiedene Bezeichnungen für Gegenstände abrufen und von seinen Erlebnissen erzählen.

Sprachentwicklungsstörung

Sicherlich ist es wichtig, dass Eltern einen Blick darauf werfen, wie die sprachliche Entwicklung ihres Kindes verläuft. Jedoch sind nicht alle Verzögerungen gleich ein Grund zur Sorge. Jedes fünfte zweijährige Kind spricht noch gar nicht. Das sind so genannte Late Talker. Die meisten holen innerhalb einer kurzen Zeit die fehlende sprachliche Entwicklung nach.

Welche Anzeichen deuten auf eine Sprachstörung hin?

BuchstabenIm Babyalter ist eine Sprachstörung schwer zu erkennen. Hier kann darauf geachtet werden, wie die nonverbale Kommunikation verläuft. Wenn das Kind bis zum 2. Geburtstag nicht spricht, kann auch lediglich eine Sprachentwicklungsverzögerung vorliegen.

Wenn sich die Meilensteine der Sprachentwicklung um mehr als sechs Monate verzögern, sollte das aufmerksam beobachtet werden. Das Sprachverständnis ist meistens deutlich besser, als die eigene Fähigkeit zu sprechen. Hier können Eltern schauen, wie das Kind auf das Gesagte reagiert.

Kinder, die Probleme mit der Sprache haben, haben meistens weitere Probleme, die aufmerksam beobachtet werden sollten. Beispiele sind die Fein- und Grobmotorik oder Koordinationsschwierigkeiten.

Im Zweifelsfall ist es ratsam einen Kinderarzt aufzusuchen. Er kann feststellen, ob wirklich eine Sprachstörung vorliegt. Besonders wenn das Kind noch sehr jung ist, kann ein möglicher Rückstand durch gezielte Hilfe meist problemlos und vollständig aufgeholt werden.

Sprachförderung für Babys und Kleinkinder

Die Förderung der Sprachentwicklung geschieht meist automatisch und intuitiv. Trotzdem gibt es viele sprachentwicklungsunterstützende Verhaltensweisen, die viele Eltern noch nicht nutzen.

5 Tipps, um die Sprachentwicklung zu fördern

Nachfolgend haben wir fünf wichtige Tipps zusammengetragen, die Kindern bei der Förderung der Sprachentwicklung bestmöglich unterstützen.

Tipp 1: Viel sprechen

Lachendes BabyKinder lernen vor allem durch Nachahmung. Bereits Babys beobachten die Lippen- und Mundbewegungen der Eltern sehr aufmerksam. Indem die Eltern viel über ihre Gedanken und Gefühle sowie die Welt sprechen, wird es angeregt mitzumachen.

Selbstverständlich ist es auch sehr wichtig mit dem Baby liebevoll zu sprechen. So wird die Sprechfreude aktiviert und es wird sich beteiligen wollen. Der Antrieb zu lernen ist bereits auf der instinktiven Ebene vorhanden. Blick- und Hautkontakt sind ebenfalls sehr förderlich.

Tipp 2: Einfache Sätze

Mit einfachen Sätzen sind vor allem ganze und grammatikalisch richtige Sätze gemeint. Nur durch gute sprachliche Vorbilder kann das Baby auch das Richtige imitieren. Beispiele könnten sein: „Da ist ein Baum!“, „Das ist eine weiße Tasse!“ oder „Der Hund will spielen!“.

Das Sprachniveau passt sich selbstverständlich mit dem des Kindes nach und nach an. Erwachsene sprechen intuitiv langsamer und deutlicher. Das ist auch hilfreich, damit das Kind die Wörter besser abgrenzen kann.

Tipp 3: Aktives Zuhören

Sprechen wird durch Sprechen erlernt. Deshalb ist Zuhören und ausreden lassen sehr wichtig. Das Kind muss sich ausprobieren können. Auch wenn die ein oder andere Formulierung etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, wird sich Geduld ausbezahlen.

Außerdem fühlt das Kind sich dadurch ernst genommen. Die freudige Aufnahme der Eltern ist auch sehr entscheidend, wenn es um die Förderung der Sprechfreude geht.

Tipp 4: Korrigierendes Feedback

Wenn das Kind etwas fehlerhaft sagt oder ausspricht, ist eine effektive Methode den Satz im weiteren Verlauf des Gesprächs richtig zu wiederholen. Dies sollte aber beiläufig passieren und nicht künstlich wirken.

Beispiel: Während die Mutter etwas trinkt, sagt das Kind: „Ich will dinken“. Die Mutter könnte antworten: „Ach so, du möchtest auch etwas trinken?“. So wurde das Wort richtig wiederholt, ohne dem Kind das Gefühl zu geben etwas falsch gemacht zu haben.

Tipp 5: Auf das Kind eingehen

Auf die Themen des Kindes einzugehen ist selbstverständlich. Wichtig ist auch empathisch zu sein und zu erkennen, wann das Kind nicht sprechen möchte. Der Mitteilungsdrang kommt von allein. Wie auch in anderen Lebensbereichen, hat der Versuch es zu erzwingen meistens den gegenteiligen Effekt.

3 Fehler, die unbedingt vermieden werden sollten

Es gibt keine perfekte Erziehung. Trotzdem sollten Eltern für gewisse Fehler sensibilisiert sein, um die Sprechfreude des Kindes nicht unnötig zu bremsen. Viele davon ergeben sich aus dem Gegenteil der vorangegangenen Tipps.

Fehler 1: Das Kind falsche Sätze richtig nachsprechen lassen

Das Kind auf die falschen Sätze hinzuweisen, indem man es die Sätze richtig nachsprechen lässt, bedeutet für das Kind ein mangelndes Vertrauen in die eigenen sprachlichen Fähigkeiten. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist sehr wichtig für den Erwerb der Sprache.

Außerdem verliert die Bedeutung des Gesagten an Wert. Das Kind kann dadurch das Gefühl bekommen, dass es nicht wichtig ist, was es sagt. Vielmehr sollte die Bemühung sich auszudrücken mit Freude aufgenommen werden.

Fehler 2: Dem Kind erklären, wie es Sprechen soll

Dem Kind zu erklären, wie es Sprechen soll, kann ihm die ganze Freude daran nehmen. Beispiele für solche Sätze sind: „Sprich schneller und komm schneller zum Punkt“ oder „Sprich deutlicher“.

Fehler 3: Babysprache

Ein kleines Baby vor sich zu haben, kann das ein oder andere Herz erwärmen und Eltern dazu verleiten in der so genannten „Babysprache“ zu sprechen. Dabei spricht das Elternteil plötzlich auch nur noch in einzelnen Worten, wie das Kind in der Ein- oder Zweiwortphase.

Das Kind lernt durch Nachahmung. Deshalb sollten Eltern in ganzen Sätzen sprechen. Selbstverständlich dürfen es aber vor allem einfache Sätze sein und besser keine akademischen Formulierungen mit vielen Fremdwörtern.

Ab wann Kindern vorlesen?

MädchenUm ein gutes Sprachvorbild für Kinder zu sein, ist Vorlesen sehr wichtig. Die meisten Eltern warten, bis das Kind selbst anfängt zu sprechen. Dabei wird die Wirkung stark unterschätzt. Vorlesen bringt nämlich sehr viele Vorteile mit.

Das Lernen der Erst- oder Muttersprache ist vor allem ein unbewusster Prozess. Das Unterbewusstsein nimmt ein Vielfaches mehr auf als das Bewusstsein. So kann der passive Wortschatz bereits sehr früh angelegt werden.

Zu den Vorteilen zählen:

  • Gemeinsam verbrachte Zeit. Wenn Eltern das Vorlesen zum Ritual machen, hat das Kind einen Anker für Sicherheit.
  • Anregung durch die vorgelesenen Geschichten. Die Fantasie, das Wissen und die Kreativität werden angeregt.
  • Der Wortschatz wird erweitert. Einige Wörter benutzen Mama und Papa vielleicht selten im Alltag. Durch Bücher werden diese trotzdem abgedeckt.
  • Das Kind bekommt Freude am Lesen und hat es später leichter es selbst zu erlernen.

Fazit: Vorlesen sollte möglichst zum täglichen Ritual werden. Desto früher, desto besser.

Sprachentwicklung Kinder | Alle Phasen

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