Erziehungsstile

Den größten Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes haben die Eltern. Das bringt eine große Verantwortung mit sich. Welcher Erziehungsstil ist der Richtige? In der Realität sind die Grenzen nicht schwarz-weiß. Viele Eltern kombinieren verschiedene Erziehungsformen, was auch sehr ratsam ist.

Trotzdem schadet es nicht sich inspirieren zu lassen und sich einmal damit zu beschäftigen, welche Erziehungsstile es gibt, welche Merkmale sie haben und was die Auswirkungen sein können. Im Folgenden haben wir die Wichtigsten zusammengetragen.

Autoritärer Erziehungsstil

In der autoritären Erziehung setzen die Eltern oder Erzieher strenge Regeln. Das Kind hat die hohen Erwartungen zu erfüllen und soll vor allem nach den Vorstellungen der Erwachsenen geformt werden.

Auf die Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse des Kindes wird kaum bis gar nicht eingegangen. Wenn das Kind autoritär erzogen wird, wird oft mit Strafe und Belohnung gearbeitet. Es gibt eine klare Hierarchie, in der die Eltern oder Erzieher dem Kind übergeordnet sind.

Welche Auswirkungen hat die autoritäre Erziehung auf die Entwicklung des Kindes?

In seiner Extremform hat die autoritäre Erziehung eine sehr negative Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes. Kinder haben einen natürlichen Entdeckungsdrang. Durch die strikten Regeln wird dieser unterdrückt.

Sie erfahren wenig emotionale Unterstützung, was zu einem distanzierten und lieblosen Verhältnis zwischen ihnen und den erziehenden Erwachsenen führt. Da ihnen in der Regel keine Verantwortungsbereiche mit Entscheidungsspielräumen anvertraut werden, tun diese Kinder sich häufig schwer damit Entscheidungen zu treffen.

Es wird kein Raum für die persönliche Entwicklung geschaffen. In der Folge können sie sich und ihre Gefühle nicht kennenlernen, weshalb ihnen der Umgang mit ihnen auch schwerfällt. Die unterdrückten Gefühle führen häufig entweder zu Depressionen oder Aggressionen.

Das Autonomiebedürfnis wird vernachlässigt, wodurch das Kind dem Risiko ausgesetzt wird später als Erwachsener selbstständig zu werden.

Autoritär | Zusammenfassung der Auswirkungen

  • Kein Raum für persönliche Entfaltung
  • Geringes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
  • Vernachlässigung des Autonomiebedürfnisses
  • Das Kind lernt sich nicht kennen
  • Depressionen oder Aggressionen sind häufige Folgen

Merkmale der autoritären Erziehung

  • Strikte, strenge Regeln
  • Strafe und Belohnung sind häufige Erziehungsmittel
  • Kind soll nach den Vorstellungen der Eltern geformt werden
  • Klare Hierarchie, in der sich das Kind unterordnet

Autokratischer Erziehungsstil

Die autokratische Erziehung ist eine gesteigerte Form der autoritären Erziehung. Die Eltern sind bei dieser Erziehungsform häufig der Auffassung, dass ein Kind zwingend autoritär zu erziehen ist. Hierbei werden keine Ausnahmen geduldet.

Das Zusammenleben ist sehr streng geregelt und häufig gibt es feste Vorgaben, was das Kind zu tun hat. Die Strafen fallen oft noch härter aus und dienen dem Ziel das Kind „auf die Spur“ zu bringen.

Laissez-faire Erziehung

Beim laissez-fairen Erziehungsstil nehmen die Eltern die passive Rolle ein und lassen ihr Kind tun und lassen, was es möchte. Nicht umsonst bedeutet laissez-faire aus dem Französischen übersetzt „machen lassen“ oder „laufen lassen“.

Es gibt also keine Richtlinien, Regeln oder Vorgaben. Falls doch, dann nur im geringen Maß. Oft wird mit diesem Erziehungsstil auch eine gleichgültige Haltung der Eltern oder Erzieher assoziiert. Die Eltern setzen keine Grenzen. Es gibt keine Konsequenzen für die Verhaltensweise des Kindes.

Auswirkungen der laissez-fairen Erziehung

Kind tobt auf einem FeldWährend bei der autoritären Erziehung das Autonomiebedürfnis vernachlässigt wird, wird bei der laissez-fairen Erziehung das Bindungsbedürfnis nicht erfüllt. Kinder brauchen bis zu einem gewissen Punkt einen Rahmen mit Regeln, der ihnen Halt und Sicherheit gibt. Deshalb gibt es häufig eine emotionale Distanz zwischen dem Kind und den Eltern.

Häufig haben sie im späteren Alter Schwierigkeiten damit sich zu binden. Das wirkt sich auf verschiedene Lebensbereiche aus, wie in der Partnerschaft oder im Berufsleben. Da sie sich nicht anstrengen mussten, um etwas zu bekommen, fehlt ihnen oft der Anreiz etwas zu leisten.

Eine andere Folge ist, dass Kinder aus dieser Erziehung sich als Jugendliche immer extremer ausprobieren, um von der Außenwelt Grenzen gesetzt zu bekommen. Manche werden kriminell oder versuchen auf anderen Wegen zu polarisieren.

Laissez-fair | Zusammenfassung der Auswirkungen

  • Schwierigkeiten sich in der Partnerschaft oder im Berufsleben zu binden
  • Versuchen anders Grenzen gesetzt zu bekommen
  • Keine Motivation und Leistungsbereitschaft
  • Distanziertes Verhältnis zu den Eltern

Merkmale der autoritären Erziehung

  • Keine Regeln, Richtlinien oder Vorgaben
  • Eltern verhalten sich passiv
  • Vernachlässigung des Bindungsbedürfnisses
  • Das Verhalten hat keine Konsequenzen

Antiautoritäre Erziehung

Der laissez-faire und antiautoritäre Erziehungsstil unterscheiden sich, auch wenn sie sich ähnlich sind. Die Eltern sind mit diesem Erziehungsstil bestrebt dem Kind Freiheiten und Entscheidungsspielraum zu geben, damit sie sich bestmöglich entwickeln und entfalten können.

Sie dürfen selbst Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen, was sich meistens gut auf ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein auswirkt. Dennoch wird dem Kind größtenteils freie Hand gelassen.

Demokratische Erziehung

Die Erziehungsform, die in der Praxis am häufigsten vorkommt, ist die demokratische Erziehung. Sie ist aus dem antiautoritären Stil erwachsen. Hier wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Regeln und Handlungsspielraum angestrebt.

Kinder und Eltern begegnen sich auf Augenhöhe und besprechen gemeinsam wichtige Entscheidungen. Dem Kind wird für sein Alter angemessene Verantwortung übertragen, um seine Selbstständigkeit zu fördern.

Auswirkungen der demokratischen Erziehung

Kinder spielen am FlussKinder können sich in dieser Erziehungsform frei entfalten. Das fördert ihr Selbstvertrauen und bringt ihnen in einem gesunden Maß Spaß und Freude an Aktivitäten.

Da sie bei wichtigen Entscheidungen einbezogen werden und Verantwortung übernehmen dürfen, fühlen sie sich wichtig und ernst genommen. Sie haben genügend Raum, um sich selbst auszuprobieren und erfahren trotzdem Grenzen, die ihnen Stabilität und Sicherheit geben.

Demokratisch | Zusammenfassung der Auswirkungen

  • Fördert Lust an Aktivitäten
  • Freie Entfaltungsmöglichkeiten
  • Fördert Selbstständigkeit und baut Selbstvertrauen auf
  • Fühlen sich ernst genommen und wichtig

Merkmale der demokratischen Erziehung

  • Große Entscheidungen werden gemeinsam besprochen
  • Es gibt wenig Regeln und viele Freiheiten

Egalitärer Erziehungsstil

Die egalitäre Erziehung ist eine extremere Form der demokratischen Erziehung. Hier sind die Kinder und Eltern absolut gleichgestellt. Dabei werden wichtige Angelegenheiten nicht nur gemeinsam besprochen, sondern auch entschieden.

Ziel ist die Erziehung und Förderung zu einer größtmöglichen Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Die Kinder gewöhnen sich daran bei jeder Entscheidung mitzubestimmen. Das birgt die Gefahr, dass sie später Regeln und Grenzen schwer akzeptieren können.

Welche ist die beste Erziehung?

Mit diesen Erziehungsstilen wird versucht verschiedene Tendenzen und Ausrichtungen zu kategorisieren. Trotzdem bleiben sie theoretische Modelle.

Es gibt nicht die eine Formel, nach der Eltern alles perfekt machen. Kinder sind unterschiedlich. Allein schon deswegen kann mal das eine oder andere besser sein.

Dann kommt es auf die verschiedenen Situationen an. Welche Einflüsse spielen ein? In welcher Stimmung befinden sich die Erziehenden? Die perfekte Kindererziehung gibt es nicht. Was zählt ist es immer sein Bestes zu geben.

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