Aktives Zuhören

Jeder Mensch möchte geschätzt werden. Das gilt selbstverständlich auch und besonders für Kinder. Aktives Zuhören ist bereits eine Form der Wertschätzung. Gute Zuhörer sind beliebt. Mit dem Begriff „Aktives Zuhören“ ist mehr gemeint, als bloß still zu sein und seinem Gegenüber zuzuhören. Was dahinter steckt, nehmen wir jetzt genauer unter die Lupe.

Aktives Zuhören Definition

In einem zwischenmenschlichen Gespräch treffen mindestens zwei Parteien aufeinander. Mit aktivem Zuhören ist gemeint nicht nur zu hören, was das Gegenüber sagt, sondern zu verstehen, was gemeint ist. Es bedeutet mit voller Aufmerksamkeit im Moment zu sein.

Oft geht auch eine gewisse Grundhaltung damit einher. Diese schließt eine Offenheit und Unvoreingenommenheit ein. Es bedeutet nicht zwangsläufig gleicher Meinung zu sein, aber die andere Ansicht zu respektieren.

Die drei Bausteine

Im Wesentlichen gehören drei Schritte zum aktiven Zuhören.

1. Bestätigung

Ein kurzes Nicken oder ein „Ja“ genügen, um kurz zu signalisieren, dass das Gesagte gehört und verstanden wurde. Es zeigt, dass das Kind gerade die volle Aufmerksamkeit des Erwachsenen hat.

2. Paraphrasieren

Paraphrasieren bedeutet den Inhalt kurz mit eigenen Worten wiederzugeben oder mit anderen Ausdrücken zu umschreiben. Das bietet Kindern die Möglichkeit zur Selbstreflexion. Es kann zur Verarbeitung der Situation beitragen und verhindert, dass Emotionen unterdrückt werden.

3. Gefühle verbalisieren

Im letzten Schritt werden unausgesprochenen Gefühle benannt. Ein Beispiel: „Für mich sieht es so aus, als würde dich das traurig machen.“.

Beispiel mit Kind

Die Tochter sitzt schmollend da und sagt nichts. Der Papa setzt sich zu ihr und stellt fest: „Du siehst etwas traurig aus. Hat dich etwas geärgert?“

Die Tochter antwortet: „Ja!“

Der Papa: „Ach so. Was ist passiert?“

„Eva will nicht mehr meine Freundin sein. Sie ist doof!“

„Oh, ich verstehe. Das klingt für mich danach, dass du wütend auf Eva bist.“

„Ja! Ich bin ganz wütend! Sie ist immer gemein!“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs kann das Kind auf diese Weise seine Gefühle besser benennen und herauslassen.

Wie aktives Zuhören Kindern in ihrer Entwicklung hilft

Aktives Zuhören bietet in der frühkindlichen Entwicklung sehr viele Vorteile. Welche das sind, schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Vorteil 1: Besserer Zugang zu den eigenen Emotionen

Kinder am StrandEin Kind kann in einem Augenblick glücklich spielen, während es vom einen auf den anderen Moment hinfällt und sich weh tut. Es fängt laut an zu weinen. Dann kommt Papa und verkündet, dass sie morgen einen Familienausflug zum Freizeitpark machen. Plötzlich ist der Schmerz völlig vergessen und macht Platz für Begeisterung und Vorfreude.

Die innere Gefühlswelt kann ein Kleinkind schnell überfordern. Aktives Zuhören hilft dabei das große Durcheinander dieser vielen Eindrücke zu ordnen. Indem das Kind über die seine eigenen Emotionen spricht, macht es sich diese bewusst und lernt dadurch besser mit diesen umzugehen.

Vorteil 2: Sprachförderung

Ein weiterer Vorteil ist die Förderung der Sprachentwicklung. Aktives Zuhören bedeutet das Kind ausreden zu lassen. Das schafft den Raum, um sich sprachlich auszuprobieren und damit das Sprechen zu üben.

Vorteil 3: Förderung des Selbstwertgefühls

Das Kind fühlt sich wertgeschätzt und ernst genommen. Durch die Haltung der Unvoreingenommenheit kann es seinen Standpunkt erzählen und bekommt zurückgespiegelt, dass seine Worte wichtig sind. Das wiederum hat einen sehr positiven Einfluss auf das Selbstwertgefühl.

Carl Ransom Rogers

Carl Ransom Rogers ist der Entwickler der Kommunikationstechnik des aktiven Zuhörens. Er war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut.

Beim aktiven Zuhören nach Rogers versucht der Empfänger das Gesagte so zu verstehen, wie es gemeint war. Der aktiv Zuhörende stellt sich selbst zurück und versucht die wahren Beweggründe des Gegenübers herauszufinden. Dabei schenkt er ihm die volle Aufmerksamkeit und zeigt Interesse an den Inhalten, indem er beispielsweise nachfragt.

Aktives Zuhören | Übungen mit Kindern

Mädchen zeigt BildDu kannst dir als Übung vornehmen bei deinem nächsten Gespräch mit deinem Kind aktiv zuzuhören. Am wichtigsten ist, dass du nicht wertest. Auch wenn dein Kind dir vielleicht etwas sagt, was du nicht so gerne hörst. Beispiel: „Ich will nicht mehr zur Tante!“. „Mhm. Das klingt für mich danach, dass du nicht gerne bei ihr bist. Fühlst du dich bei ihr nicht wohl?“ „Nein! Sie ist immer so komisch.“ usw.

Als weitere Übung kannst du dir vornehmen bei deinem nächsten Gespräch mit einer beliebigen Person aktiv zuzuhören. Du kannst dich in die Rolle eines Interviewers versetzen, der versucht spannende Themen über den Interviewten herauszufinden. Du bist die neutrale Person und kannst in einem Selbstexperiment beobachten, welche Auswirkung das auf eure zwischenmenschliche Beziehung hat.

Aktives Zuhören

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